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Apportieren für jeden Tag

 

 

Sinnvolle Beschäftigung – glücklicher Hund

 

 

 

 

Heike E. Wagner

 

 

 

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Impressum

 

Copyright © 2008 by

Gestaltung der Originalausgabe: Ravenstein+Partner, Verden

Satz der Originalausgabe: Grafikdesign Weber, Bremen

Titelfoto: Dr. Jochen Becker

Fotos: Dr. Jochen Becker, falls nicht anders angegeben

Lektorat: Dorothee Dahl

E-Book:

 

Alle Rechte vorbehalten.

 

Abdruck oder Speicherung in elektronischen Medien nur nach vorheriger schriftlicher Genehmigung durch den Verlag.

 

Printed in Austria

ISBN 978-3-86127-756-9

 

eISBN 978-3-84046-008-1

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Vorwort

Vorwort

Als ich mein erstes Buch über das Thema Apportieren schrieb, hatte ich bereits die Vermutung, dass der Platz kaum ausreichen würde, um meinen Lesern einen Überblick über das Thema Apportieren zu geben. Diese Vermutung hat sich bestätigt. Umso mehr erfüllt es mich mit Freude, Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, nun einen etwas tieferen Einblick in die Materie rund um das Thema Apportieren geben zu dürfen — ich hoffe, dass Sie Spaß beim Lesen meiner Zeilen und beim Betrachten der vielen Bilder haben werden und das eine oder andere für sich aus diesem Buch mitnehmen können.

Trauen Sie sich etwas zu und vertrauen Sie auf Ihren Hund, durch den Sie bestimmt viel lernen können. Sicher werden Sie auch selbst nach einiger Zeit der Apportierarbeit spannende Aufgaben erfinden können — Ihrer Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Nur zu!

Gerade das Thema Apportieren zeigt einem immer wieder, zu welchen hervorragenden Leistungen ein Hund in der Lage ist, aber leider auch — und das ist viel frappierender —, zu welchen Fehlern wir Menschen immer wieder neigen. Die Fehler zunächst immer bei sich selbst zu suchen ist die Kunst, den eigenen Hund richtig zu verstehen, ihm angepasste Beschäftigung und Aufgaben zu bieten und ihn weder zu unter- noch zu überfordern.

Dieses Buch richtet sich an alle, die ihrem Hund sinnvolle Beschäftigung zum Ausgleich bieten wollen, und an Hundebesitzer, die noch gar keine Erfahrung mit gezielter Apportierarbeit haben oder ihre bereits vorhandenen Grundkenntnisse vertiefen möchten und neue Anregungen suchen.

An dieser Stelle möchte ich mich für die Geduld und die gute Zusammenarbeit von und mit Dorothee Dahl und Herrn Dr. Jochen Becker herzlich bedanken, die mir stets mit Rat und Tat zur Seite standen und ohne die dieses Buch nicht so rund geworden wäre. Ebenso ein Dankeschön an Familie Krause und meine vierbeinigen Models Lana und Coffee.

 

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Apportieren macht Spaß

Apportieren macht Spaß

Es gibt Hunderassen, die speziell für jagdliche Aufgaben und das Apportieren gezüchtet wurden. Dazu gehören beispielsweise die Retriever, deren Name schon den Begriff des Zurückbringens (Engl. retrieve: wieder auffinden, holen gehen, zurückholen) beinhaltet. Aber auch viele andere Hunde unterschiedlichster Rassen können Spaß am Apportieren haben. Apportieren ist für den Hund eine sinnvolle Auslastung und artgerechte Beschäftigung, kann aber auch im Alltag richtig nützlich sein. Wäre es nicht toll, wenn Ihr Hund Ihren Autoschlüssel tragen oder die Zeitung aus dem Briefkasten holen könnte? Diese und andere Tricks können Sie jedem Hund beibringen, der apportieren kann. Wie ein Hund das Apportieren von Anfang an richtig lernt, erfahren Sie in diesem Buch.

Und keine Sorge: Für das Apportiertraining brauchen Sie kein echtes Wild. Sogenannte Dummys, die aus gefüllten Leinensäcken bestehen oder aus Kunststoff hergestellt und meistens sogar schwimmfähig sind, eignen sich prima für das Apportiertraining.

 

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Jagdlicher Ursprung

Apportieren ist Bestandteil der jagdlichen Arbeit. Dabei hat der Hund die Aufgabe, erlegtes oder angeschossenes Niederwild aufzufinden und zurückzubringen. Dazu muss er sich die Fallstellen des Wildes merken und eine Fährte suchen können.

Inzwischen wird das Apportieren aber nicht nur bei der Jagd angewandt. Es hat sich im Alltag als sinnvolle Beschäftigung und guten Ausgleich für Hunde erwiesen. Ganz wichtig: Dazu braucht man kein Wild! Ein Hund kann lernen, vom Hundespielzeug bis zum Autoschlüssel alles zu apportieren, was er tragen kann.

Warum Hunde apportieren

Alle Handlungen unserer Hunde werden durch Triebe ausgelöst und gesteuert, ohne die ein Hund nicht überleben und nicht lernen könnte. Apportieren bedeutet für den Hund, ausgehend von seinem Trieb, eine Beute zu machen oder aufzunehmen (ob zum Beispiel ein Stück Wild, einen Stock, ein Leckerli oder Spielzeug oder aber ein Apportel), von A nach B zu bringen und es dort zu fressen, damit zu spielen oder es zu deponieren.

 

Die Triebe des Hundes, die beim Apportieren eine Rolle spielen

Spiel- und Bewegungstrieb   angestaute physische und psychische Energie in Bewegung entladen

Beutetrieb   Beuteobjekte fassen, festhalten und töten

Spürtrieb   Die Bereitschaft, eine Tier- oder Menschenfährte zu verfolgen

Apportier- oder Bringtrieb   Beuteobjekte verschleppen, verstecken oder bringen

Jagdtrieb   aufspüren, verfolgen und reißen der Beute

 

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Hunde besitzen noch weitere Triebe in mehr oder weniger starker Ausprägung, die für das Apportieren jedoch nicht relevant sind. Dazu gehören unter anderem der Wehrtrieb, der Kampftrieb, der Aggressionstrieb und der Schutztrieb.

Welche Hunde sich für die Apportierarbeit eignen

Grundsätzlich können Sie mit jedem Hund apportieren, der Spaß daran hat. Vom Chihuahua über die Dogge bis hin zu allen Mischlingshunden gibt es auch viele Hunde, die ihren Besitzern gern etwas zurückbringen. Je nachdem, wie weit man das Apportieren mit seinem Hund erarbeiten und nutzen will, kann man sich natürlich eine Rasse anschaffen, der diese Arbeit sozusagen im Blut liegt. Neben diesen Rassen gibt es auch viele Mischlinge, mit denen man viel Spaß vom Alltagsapport bis hin zur jagdlich orientierten Apportierarbeit haben kann. Probieren Sie aus, woran Ihr Hund besonders viel Freude hat.

Die klassischen Apportierhunde sind die Retrieverrassen. Es gibt insgesamt sieben verschiedene, mehr oder weniger bekannte Retrieverrassen: Labrador Retriever, Golden Retriever, Nova Scotia Duck Tolling Retriever, Curly Coated Retriever, Flat Coated Retriever und Chesapeake Bay Retriever. Nur beim Chesapeake Bay Retriever ist der Schutztrieb und die teilweise damit verbundene Mannschärfe erlaubt. Die Hunde werden als „Jagdhunde" bezeichnet. Das bedeutet, dass sie Wild aufspüren, aufstöbern, es anzeigen oder dem Jäger zutreiben müssen. Ihr Trieb, Wild zu hetzen, ist genetisch bedingt und mehr oder weniger ausgeprägt. Insbesondere Hunde, bei denen dieser Trieb stark vorhanden ist, sollten sach- und fachkundig ausgebildet werden.

 

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Zusammenarbeit mit dem Menschen

Eine wichtige Voraussetzung für das Apportieren ist die Arbeitsintelligenz, die der Hund benötigt, um gut mit seinem Menschen zusammenarbeiten zu können.

Vom Wolf abstammend, der in Gruppen jagt und vom Rudelführer angeführt wird, bringt ein Hund die Bereitschaft mit, sich von seinem Rudelführer, dem Menschen, leiten zu lassen und ihm zuzuarbeiten, um den gewünschten Jagderfolg zu erreichen. Bei Hütehunden, wie beispielsweise den Border Collies, ist die Bereitschaft zur Aufmerksamkeit und die Beharrlichkeit im Verfolgen von Zielen sehr hoch ausgeprägt, da sie auf sehr weite Entfernungen mit ihren Menschen zusammenarbeiten müssen.

Bei Terriern, die bei der Jagd auf Füchse oder Dachse in einem Bau äußerst selbstständig arbeiten müssen, ist die Zusammenarbeit mit den Menschen nicht so stark ausgeprägt.

Als weitere Komponente steht die adaptive Intelligenz des Hundes. Dies bedeutet nichts anderes, als durch Versuch und Irrtum sowie anhand gesammelter Erfahrungen Aufgaben zu meistern. Gerade diese Komponente sollten wir für unser gezieltes Training mit dem Hund nutzen. Hunde, die nicht so ausgeprägt über diese Veranlagungen verfügen, können trotzdem einfache und nützliche Apportieraufgaben im Alltag meistern und artgerecht damit beschäftigt werden.