Epub cover

 


Stefan Wetterau

Ohne Grenzen

Kriminalroman

ProlibrisVerlag

 



Für meinen Großvater Heinz

Handlung und Figuren sind frei erfunden. Darum sind eventuelle Übereinstimmungen mit lebenden oder verstorbenen Personen zufällig und nicht beabsichtigt.

Nachwort

In dem Gedächtnis einiger alter Menschen und auch in so manchen vergilbenden Büchern schlummern viele Erzählungen, die es wert sind, bewahrt zu werden. Die Sage vom Fleischboten gehört gewiss dazu. Sie hat ihre Wurzeln im ehemaligen Grenzgebiet westlich von Eisenach, selbst wenn sie anderenorts in ähnlicher Form erzählt wird.

Meine gesamte Jugend habe ich in unmittelbarer Nähe dieser Grenze verbracht, in der westdeutschen Grenzgemeinde Herleshausen. Diese genoss den besonderen Status, einen der wenigen Grenz­übergänge zwischen Deutschland und Deutschland zu beheimaten, was uns neben einigen Erwähnungen in den Nachrichten und sogar im Hollywoodfilm „The day after“ nur eine Menge Durchgangsverkehr einbrachte.

Konsequenz der Teilung war darüber hinaus, dass die Gemeinde meines Geburtsorts auf drei Seiten im Radius von etwa acht Kilo­metern von Zaun umringt war. An einigen Stellen konnte man bisauf wenige Meter an den äußersten Grenzzaun herantreten und einen Blick in dieses „andere“ Land werfen, wo Menschen lebten, die genauso aussahen, die gleichen Arbeiten verrichteten und dieselben Wörter sprachen wie die, mit denen man aufwuchs. Und doch war alles so weit entfernt und in gewisser Weise fremdartig.

Nach wie vor bin ich glücklich, über zwanzig Jahre meines Lebens in dieser Grenzgemeinde verbracht zu haben, auch darüber, dass ich den historischen Moment miterleben durfte, als die Mauer fiel – auch wenn es bei uns ein Zaun war. Die Nachwendezeit ist gespickt mit Erlebnissen, die allen verwehrt blieben, die sie nicht in den Regionen nahe der ehemaligen Trennungslinie erlebt haben. Diese Ereignissewaren nicht für jeden immer positiver Natur. Dennoch: Mag es ein paarwenige Unbelehrbare geben, welche der Wiedervereinigung kaum etwas abgewinnen können, für mich ist sie eines der einschneidendsten und schönsten Ereignisse in meinem Leben.

Südlich meines Geburtsortes, bereits auf thüringischem Gebiet, thront auf einem Bergrücken über dem Ufer des Grenzflusses Werra die Ruine der Brandenburg. In Vorwende-Zeiten war dieses Bauwerk sowohl für uns im Westen als auch für die Menschen im Osten aufgrund seiner Lage im Sperrgebiet unerreichbar und nicht nur deshalb Grundlage vieler Geschichten, die sich dort abgespielt haben mochten. Bei aller politischer Idiotie, wie sie einem täglich in Form von Streckmetall vor Augen kam, schien die Burg in vollkommener Stille über all das erhaben zu sein. Ihr Gemäuer überlebte vierzig Jahre Teilung und wurde nach der Wende sukzessive wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Ihre mystische Anziehungskraft hat sie nicht verloren.

In der Tat ranken sich um die Brandenburg allerhand Legenden, deren Fäden sich bis in die umliegenden Dörfer und Gemeinden ziehen. Eine davon hat mich zu diesem Roman inspiriert.

Natürlich sind die Personen darin frei erfunden und Ähnlichkeiten oder sogar Namensgleichheiten absolut unbeabsichtigt und zufällig. Auch die Geschehnisse sind Geburten meiner Phantasie.

Davon abgesehen sind die Beschreibungen der örtlichen Gegebenheiten sowie der politischen Vorgänge und ihrer Auswirkungen auf die Bewohner und ihre Umwelt ein kleiner Ausschnitt der Geschichte am Anfang der neunziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts.

Die historischen Rückblenden basieren auf der neugefassten Überlieferung der Legende des Fleischboten Limpert aus verschiedenen Quellen, besonders dem Buch „Wenn der Hahn dreimal kräht – Sagen aus dem Werratal und dem angrenzenden Ringgau“ von Friedemann Stein.

Ungenauigkeiten jedweder Art möge man mir verzeihen, größtenteils haben sie dramaturgische Gründe. Eine mag die Beschreibung des Limpertsteins sein, der nicht, wie im Buch, im Boden eingelassen ist, sonderntatsächlich in Gerstungen an einer Straßenecke als Findling steht und der buchstäbliche Grundstein dieses Buches ist.

 

Alle Rechte vorbehalten,

auch die des auszugsweisen Nachdrucks

und der fotomechanischen Wiedergabe

sowie der Einspeicherung und Verarbeitung

in elektronischen Systemen.

© Prolibris Verlag Rolf Wagner, Kassel, 2012

Tel.: 0561/766 449 0, Fax: 0561/766 449 29

Lektorat: Anette Kleszcz-Wagner

Korrektur: Christiane Helms

Titelfoto: © Manfred Müller, Gotha

E-Book: Prolibris Verlag

ISBN: 978-3-95475-026-9

Dieses Buch ist auch als Printausgabe im Buchhandel erhältlich. 978-3-935263-76-4

www.prolibris-verlag.de

Ich danke ...

... meiner Lektorin, Dr. Anette Kleszcz-Wagner, für die unermüdliche und professionelle Arbeit am Manuskript, die guten Ratschläge für dieses und folgende Werke und neben all dem für die Randnotizen und Kommentare im Text, immer ehrlich, konstruktiv und bisweilen sehr, sehr witzig.


... Rolf Wagner, der mir Mitte Juli 2010 im Namen des ProlibrisVerlags genau den Anruf bescherte, den sich jeder Autor einmal in seinem Leben wünscht. Danke für das Vertrauen.


... all den nah und fern stehenden Menschen, die mir verbal undphysisch auf die Schulter klopften und mich motivierten, und die mir auf jede erdenkliche Weise Inspiration und Information zuteilwerden ließen, manchmal ohne dies zu wissen.


... Christine, Reinhard und Beppo für ungezählte Einblicke in das Leben zu DDR-Zeiten mit all seinen Facetten, das aber in manchen Belangen nicht so schlecht war, wie es hin und wieder gemacht wird.

...meinem Vater Lothar, der mir einige Bücher mit unschätzbaren Infos zur Historie, der Region und der Legende geliefert hat.


... Ute und Markus für die zwei Wochen bei Sonne, Käse und Rotwein in der Provence, wo ich diesen Roman in aller Ruhe und fast schon stilecht fertigstellen konnte.


... Ezio und Booga für den Soundtrack, der die Schreibblockaden beseitigte.


... und natürlich meinem größten Fan und Kritiker, meiner Frau Doreen, die mir stets geduldig und liebevoll den Freiraum und die Kraft gegeben hat, damit alles zu einem guten Ende kommt.


1

Sonntag, 22. August 1993, 3:22

Fahles Licht des vollen Sommermondes fiel auf den Kalkschotter und erhellte den leicht ansteigenden Fußweg auf gut zwanzig Metern. Es ließ die Szenerie unwirklich erscheinen, in jedem Schatten Bewegung und Leben erahnen. Dazu kam das Rascheln trockenen Laubs, das eine sanfte Brise aus den dichten Büschen seitlich des Pfades herüberwehte.

Benni und Mario waren immer ein Stück voraus und alberten ausgelassen herum, Vanessa jedoch fühlte sich ziemlich unwohl. Der hinter ihr hertrottende Carl sagte gar nichts. Charlie, so nannten ihn alle, hatte auf der Kirmes in Lauchröden viel zu viel Bier getrunken, und es war ein Wunder, dass er den Aufstieg zur Ruine überhaupt noch angetreten hatte. Vielleicht schwieg er auch, weil er noch den Korb verdaute, den sie ihm verpasst hatte. Seitdem verhielt er sich wie ein geprügelter Hund, was bei Vanessa nichts fruchtete. Er war nicht der Erste gewesen, dessen plumpe Annäherungsversuche im Alkoholrausch ergebnislos geblieben waren.

Die vier Jugendlichen hatten das Festzelt gegen drei Uhr verlassen, als die Band ihre letzte Runde angekündigt hatte. Obwohl es tagsüber brütend heiß gewesen war, fuhr Vanessa ein zarter Schauder über die Arme. Natürlich war sie mit ihrem bauchfreien, ärmellosen Top, das seine Wirkung auf ihre Begleiter nicht verfehlt hatte, sehr leicht bekleidet, und auch das dünne Strickjäckchen war mehr dekorativ als zweckmäßig. Überdies war es bereits Ende August, und der nahende Herbst deutete sich durch klamme Feuchtigkeit an, die mit dem ersten Nebel aus den Wiesen aufstieg. Vanessa schlang die Arme um ihren Körper.

»Alles in Ordnung?«, fragte Charlie schließlich brummig von hinten.

Vanessa blieb stehen und wandte sich ihm zu. »Mir ist arschkalt!«, fluchte sie, weniger gegen ihn gerichtet, auch wenn das bei ihm so ankam. Um der heftigen Reaktion die Schärfe zu nehmen, setzte sie hinzu: »Verdammt, ich bin müde. Und ich frage mich, warum ich überhaupt mitgegangen bin.«

Charlies Schulterzucken war im Schatten der hohen Sträucher kaum zu erkennen. »Kann ich dir auch nicht sagen«, erwiderte er mürrisch. »Wir wollten einfach noch ein bisschen Spaß haben.« Es klang nicht überzeugend. Er seufzte vielsagend und zog dann seine Windjacke aus. »Hier, vielleicht hilft das.«

Wie er dastand und versuchte, sie aus großen Augen nicht anzusehen,tat er ihr fast schon wieder leid. Vanessa hatte sich nie etwas aus ihmgemacht, weil er einfach nur der Durchschnittstyp war. Er bestach wederdurch außergewöhnliche Attraktivität noch durch übermäßige Intelligenz. Sie stand mehr auf draufgängerische Typen wie Bennioder seinen Cousin Mario. Sie konnte sich allerdings nicht entscheiden,erprobte an beiden spielerisch ihre Verführungskünste und machte ihnen damit Hoffnungen, trügerische Hoffnungen. Vermutlich würde sie sich weder mit dem einen noch dem anderen wirklich einlassen, aber dieses Spiel war einfach zu aufregend, um es aufzugeben. Und vielleicht nahmen es die beiden ebenfalls nicht besonders ernst.

Vanessa legte sich die Jacke über die Schultern und ließ ein schüchternes »Danke!« vernehmen, dem sie ein kokettes Lächeln hinterherschickte.

»Schon gut«, gab Charlie einsilbig zurück und trottete an ihr vorbei, um den Anschluss nicht zu verlieren. »Zieh sie an, sonst erkältest du dich noch.«

Das war nicht ganz die Reaktion, die Vanessa sich erhofft hatte. Bisher war ihrem Charme fast jeder erlegen, aber dieses Mal funktionierte das nicht. Charlies Enttäuschung musste groß sein, oder er hatte sich bereits damit abgefunden, dass er einfach nicht ihr Typ war. Sie streifte eilends die Jacke über und bemühte sich, ihn einzuholen.

»Hat Benni was von dem Kraut dabei?«, fragte sie, umetwas vonderSpannung zwischen ihnenwegzunehmen. Sie schlang wieder die Arme um den Oberkörper.

Charlie sah den beiden anderen hinterher. Die mussten inzwischen die Kurve passiert haben, nach welcher der Weg direkt auf den Torbogen der Westburg zuführte, denn auf dem nur durch Lücken zwischen Bäumen und Buschwerk vom Mondlicht beschienenen Weg konnten Vanessa und Charlie sie nicht mehr sehen. Zehn Meter links über ihnen, auf der Krone einer Böschung, erhoben sich die Mauern der Ruine wie die abgebrochenen Zähne eines Riesen.

»Das will ich doch hoffen«, sagte Charlie und rang sich ein verlegenes Lächeln ab. »Sonst geh ich nie wieder mit den zwei Kasperköpfen mitten in der Nacht auf die Burg.« Er starrte in die Dunkelheit der Wegkehre. »Wo sind die?«

»Bestimmt schon oben«, antwortete Vanessa. »Oder sie treiben wieder einen ihrer albernen Späße.« Sie blieben stehen. Es war windstill, in der Ferne blökte einsam ein Schaf.

»Kommt raus, ihr Chaoten!« rief Charlie. »Ich hab keinen Bock auf eure blöden Scherze!« Sein Ruf verhallte ungehört und unerwidert im Dunkeln.

»Macht schon«, schloss sich Vanessa an. Ihre Stimme klang selbst in ihren Ohren ungewöhnlich schrill. »Mir ist kalt!« Wieder keine Antwort.

Sie lauschten angestrengt, doch außer dem Rauschen einer leichten Brise, die durch das Tal heraufwehte, war nichts zu vernehmen.

»Komm«, sagte Vanessa fest und hakte sich bei Charlie unter. »Lass uns wieder runter ins Dorf gehen. Das ist mir echt zu doof!«

Charlie fand Vanessas Geste sehr angenehm, und nebenbei konnte er ihrer Entscheidung nur beipflichten. Mario und Benni, obwohl wie sie beide bereits in der neunten Klasse, waren zwei Kindsköpfe, die nicht selten andere mit ihren derben Späßen foppten und auch in der Schule immer wieder für Ärger sorgten. Unmöglich zu sagen, was sie gerade ausheckten.

»Ist mir recht«, sagte Charlie. »Ich kann sowieso kaum aufrecht stehen.«

Er grinste verhalten, und sie machten kehrt und begannen den Abstieg durch die von Schemen erfüllte Dunkelheit.

»Ich glaube, du solltest dich erst einmal ausschlafen.« Vanessa seufzte. »Und mir tut eine Mütze voll Schlaf sicher auch gut.«

Charlie lachte auf. »Ich frage mich, wiemaneigentlich eine Mütze vollSchlaf...«

Aus dem Gebüsch rechts neben ihnen sprangen zwei Gestalten schreiend und grunzend auf den Weg. Vanessa konnte sich einen spitzen Aufschrei nicht verkneifen, ihr Herz raste, und Charlie stockte der Atem. Wie angewurzelt blieben sie stehen.

Es brauchte nur wenige Sekundenbruchteile, bis sie in den zwei sich wild gebärdenden Kreaturen Benni und Mario erkannten. Sie trugen mannshohe dicke Äste bei sich, die sie wie Primaten immer wieder auf den Schotter schlugen. Dazu machten sie passende Geräusche und Verrenkungen.

Der etwas größere Mario trat seitwärts auf sie zu und tippte Charlie mit der Spitze seines Knüppels gegen die Brust. »Wohin, Fremder?«, grunzte er, während hinter ihm Benni ganz offensichtlich Gefallen an diesem Auftritt gefunden hatte, weiter vollkommen irre mit dem Stock auf den Boden eindrosch und versuchte, Schimpansenschreie nachzuahmen.

»Lass den Quatsch!«, gab Charlie genervt zurück und schlug den Knüppel beiseite. »Ihr habt uns einen Höllenschreck eingejagt. Muss das sein?«

»Och, hast du die Hosen voll?«, fragte Mario in gespieltem Mitleid und lehnte sich an seinen Stock. »Komm, jetzt krieg dich wieder ein. Ihr wollt doch nicht etwa schon umkehren, oder?« Sein Blick wanderte zu Vanessa und deren Arm, der noch immer bei Charlie eingehakt war. Sie zog ihn auffallend schnell zurück und verschränkte die Arme vor der Brust. Charlie nahm das enttäuscht zur Kenntnis, ließ sich aber nichts anmerken.

»Doch, woll … will ich«, versetzte Vanessa trotzig. »Mich hast du auch zu Tode erschreckt. Mir ist kalt, und ich bin müde.«

»Ach, kommt schon«, quengelte Mario, »habt euch nicht so.«

Benni hatte sein infantiles Spiel inzwischen mangels Interesse der anderen aufgegeben und war neben seinen Cousin getreten. »Was’n los?«, wollte er wissen. Auch er hatte schon ein paar WartburgPils zu viel intus.

»Diese beiden wollen nicht teilhaben«, erklärte Mario theatralisch.

»Nein«, entrüstete sich Benni und legte den Handrücken an die Stirn. »Weh uns! So müssen wir wohl das heilige Kraut vollkommen allein zu uns nehmen. Keine leichte Aufgabe, und es wird die Götter erzürnen!«

Charlie kniff die Augen zusammen. »Ihr habt welches dabei?«

»Und wenn schon«, sagte Benni nun in gleichgültigem Ton und verschränkte die Arme. »Ihr wollt ja lieber zu Bett, wie man hört.«

»Genau«, pflichtete ihm sein Cousin bei. »Komm, Vetter, lass uns den Berg erklimmen, diese Festung einnehmen und das Pfeifchen entzünden!«

»Wohlan, dies erscheint mir ein guter Plan!« Sie lachten prustend und stolperten an den beiden anderen vorüber wieder in Richtung Wegkehre.

Charlie sah Vanessa fragend an. Die schien jedoch ebenso unschlüssig zu sein. »Was machen wir?«, fragte er. Das Gras war schon ver­lockend, Bennis Halbbruder Jörg baute selbst an.

»Mitgehen, was sonst?«, sagte sie schulterzuckend. »Wenn die sich da oben allein die Birne zuballern, kommen sie im Leben nicht mehr am Stück zurück ins Dorf. Und vielleicht wärmt ja das Zeug auch.«

Nicht nur die Tüte, die Benni behände gebaut hatte, wärmte die vier sehr schnell. Mario hatte vor dem ehemaligen Wohnturm der Burg­ruine ein ganz passables Feuer in Gang gebracht, um das sie sich nun scharten. Sie hatten sich im Windschatten der Wehrmauer, die an den Turm anschloss, auf leere Paletten gesetzt, die von den Arbeiten der Restauratoren zurückgebliebenwaren. Der Ausbau dieses quadratischen Gemäuers zum Burgmuseum lag in den letzten Zügen. An den Außenwänden standen noch die Baugerüste.

Der Schein des Feuers schaffte es kaum, mehr als zehn Meter der Fläche vor dem Turm zu erhellen. Die Welt jenseits davon war ein vom Mond geschaffenes Gewirr aus schwachem Licht und viel Schatten.

Im Gegensatz zu Benni und Mario waren Vanessa und Charlie noch weit von der Glückseligkeit entfernt, die ihnen das Delta-9-THC bescheren sollte. Das Kraut, das Jörg in einem verwilderten Stück des Gartens ihrer Großeltern anbaute, war bekanntermaßen von guter Qualität. Vanessa war jedoch nicht nach allzu viel Entrücktheit, und Charlie war ohnehin schon ziemlich weggetreten. Daran hatte auch der Fußmarsch hinauf zur Burg kaum etwas geändert. Wenigstens war ihnen nun nicht mehr ganz so kalt.

Die beiden Cousins schienen tatsächlich aus einem Guss zu sein.Offensichtlich machten weder der Alkohol noch der Joint sie irgendwie müde. Weiterhin machten sie ihre derben Späße, denen Charlie und vor allem Vanessa kaum etwas abgewinnen konnten.

»Was haltet ihr von einer Floßfahrt nächste Woche?«, fragte Mario nach einer kurzen Weile des Schweigens, während die Tüte eine weitere Rundemachte.

»Oh nee, vergiss es!«, wehrte Vanessa ab. »Das hab ich einmal mitgemacht.«

»Ja, und?« Benni ließ ein breites Grinsen im Schein des Feuers funkeln. »War doch spaßig!«

Charlie warf einen Zweig in die Flammen, der so trocken war, dass er sofort knisternd zu brennen begann. »Ja, genau«, sagte er und unterdrückte mühsam einen mürrischen Unterton. »Bis Werner von dem ganzen Billigbier so besoffen war, dass er beim Kotzen über Bord gegangen ist.«

»Selbst schuld«, gab Benni mit einer wegwerfenden Geste zurück. »Wenn er nix verträgt, sollte er besser bei Fassbrause bleiben.«

Mario lachte auf. »So isses! Immerhin ist so das Floß einigermaßen sauber geblieben.« Er stand unbeholfen auf und warf den Rest des Joints ins Feuer. »Und jetzt muss ich schiffen!«

»Das ist etwas mehr Information, als sich alle Anwesenden erhofft hatten«, sagte Benni. »Aber gut, mein Herr, dass Ihr uns über Euer Vorhaben unterrichtet.« Er rappelte sich ebenfalls hoch. »Und ich muss auch.«

Sie taumelten einträchtig nebeneinander aus dem Lichtschein des Feuers hinaus und verschwanden nach rechts um die Ecke des Turms. Dort hörte man sie kurz noch herumalbern, dann wurde es still in der nächtlichen Burganlage.

»Ich dachte immer, nur wir Frauen gehen gemeinsam aufs Klo«, wunderte sich Vanessa ins prasselnde Feuer starrend.

»Gut, dass du das sagst«, erwiderte Charlie. »Mir lag es auch auf der Zunge.« Er lächelte.

»Danke, dass du mitgekommen bist«, sagte Vanessa nachdenklich.»Allein kommen die beiden garantiert nicht wieder hinunter ins Dorf.«

Charlie hätte am liebsten gesagt, dass er nur ihretwegen hier oben war, und dass ihm die zwei Typen ziemlich egal waren. Er fürchtete, sie könnten sich an ihr vergreifen oder sie im Stich lassen. »Ist schon okay«, sagte er stattdessen. »Man darf sie ja wirklich keine Sekunde aus den Augen verlieren.« Innerlich kämpfte er um die Courage, noch mehr Sinnvolles zu sagen, aber er wusste, dass er nurdummes Zeug geredet hätte, also beließ er es dabei. Warum mussten Mädchen wie Vanessa immer auf die Extrovertierten stehen und schauten sich nicht mal die Ruhigeren genauer an?

»Dauert das nicht ganz schön lange?«, fragte Vanessa, nachdem sie ein paar weitere Augenblicke ins wärmende Feuer gesehen hatten. Das hypnotisierende Tanzen der Flammen veränderte das Zeitempfinden. »Haben die denn so viel getrunken?«

»Na ja, war schon einiges«, gab Charlie zu bedenken. Er stand auf. »Ich geh mal nachsehen, was die beiden da treiben. Hoffentlich keine Schweinereien.« Mit diesen Worten umrundete er das Feuer, das allmählich kleiner wurde und deshalb auch nicht mehr so viel Wärme spendete.

»Ja, ja, lass mich nur allein«, beklagte sich Vanessa etwas übertrieben. »Frauen kann man ja im Wald ganz gut irgendwo sitzen lassen.«

»Ich komm ja gleich wieder. Nur keine Bange, schöne Maid.« Charliegrinste verlegen und verneigte sich dabei unbeholfen.

»Geh schon, bevor die irgendwelchen Unsinn anstellen.«

Charlie verschwand um die Ecke des Turms.

Vanessa rückte noch ein wenig näher an das sterbende Feuer heran. Sie hoffte, Charlie würde die beiden zur baldigen Rückkehr ins Dorf bewegen können. Allmählich wurde die Müdigkeit übermächtig, und die Kälte kroch unaufhaltsam auch unter Charlies Jacke.

Ein netter Kerl, dachte sie bei sich, wenn er doch bloß nicht so verklemmt wäre. Sie schätzte ihn bereits jetzt wie einen von denen ein, die das Dorf langfristig nie verlassen würden, um ihr Glück in einer größeren Stadt zu machen. Die zu sehr mit dem Dorfleben verwurzelt waren, als dass man sie aus diesen Strukturen herausreißen dürfte. Wahrscheinlich würde sie selbst es ebenfalls nie weiter weg als bis ins fünfzehn Kilometer entfernte Eisenach schaffen, vielleicht sogar nach Erfurt, aber sie hielt sich für weltoffen genug, um trotzdem nicht in der Vereinsmeierei und den familiären Spinnweben kleben zu bleiben.

Doch darüber brauchte sie sich jetzt noch keine Gedanken zu machen, sie war erst fünfzehn. Nein, zunächst galt es, das Leben zu genießen – und dazu gehörten auch sämtliche amourösen Abenteuer mit ein paar netten Jungs der Gegend.

Nach nicht einmal einer Minute kam Charlie allein um die Ecke des Turms. Richtig sehen konnte sie ihn im schwachen Schein der inzwischen sehr kleinen Flammen nicht. »Na, sind sie bereits eingeschlafen und schlummern friedlich Arm in Arm im Gras?«, fragte sie spöttisch.

Charlie hatte das Feuer fast umrundet, als ein dickes Stück Holz besonders laut knallte und einen Funkenregen in den Himmel schickte.Zwei Sekunden lang war Charlies Gesicht hell erleuchtet, es war schre­ckensbleich, und Vanessa musste mühsam einen Schrei unterdrücken.

Sie erhob sich hastig und ging auf ihn zu. »Mein Gott, was ist denn mit dir passiert?« Er stand mit weit aufgerissenen Augen vor ihr und starrte sie vollkommen apathisch an. Als er immer noch nichts sagte, packte sie ihn fest bei den Schultern und schüttelte ihn. »He, Charlie! Red mit mir, was ist denn?« Sie fühlte durch den Stoff seiner T-Shirt-Ärmel, wie sehr er zitterte, und konnte selbst im schwachen Schein des Feuers sehen, dass Schweiß seine Stirn bedeckte.

»Warte hier«, sagte sie schließlich, da sie offensichtlich keine Informationen von ihm erhalten würde. Sie wollte an ihm vorübergehen, als er sie so fest am Oberarm packte, dass es wehtat. Die Vernunft schien zurückzukehren.

»Tu das nicht«, sagte er mit eisiger Stimme und vollkommen nüchtern. »Geh da nicht hin.«

In jeder anderen Situation hätte sie die Hand beiseite geschlagen, die sie festhielt. Doch Charlies eindringlicher Blick ließ sie zögern. »Was … ist passiert?«, wollte sie wissen.

Charlie fürchtete, dass sie keine Ruhe geben würde, wenn sie es nicht mit eigenen Augen gesehen hätte, doch das musste er verhindern. Mehr noch, er wusste, dass es sehr unklug war, noch länger als ein paar Sekunden hierzubleiben.

Während dieser Überlegungen riss sich Vanessa plötzlich los und rannte um die Ecke des Wohnturms in die Dunkelheit.

»Nein! Vanessa, nicht!«, schrie Charlie ihr hinterher, doch aufhalten konnte er sie nicht.

Zunächst stand Vanessa in absoluter Finsternis, da ihre Augen sich an das Feuer gewöhnt hatten. Dann passten sich ihre Augen den so abrupt geänderten Lichtverhältnissen langsam an und erfassten mühsam die Situation. Der Mond lugte vorsichtig um die Ecke des Turms. Nun weigerte sich Vanessas Hirn zu verstehen, was sie dort sah. Währenddessen kam Charlie keuchend einen Meter hinter ihr zum Stehen.

Benni und Mario lagen seltsam gekrümmt und völlig reglos am Fußder östlichen Mauer. Vanessa konnte sie nicht gut erkennen in der Finsternis, und eine ängstliche Stimme in ihrem Kopf sagte ihr, dass das auch besser sei. Über den beiden Jungs war das Mauerwerk dunkel verfärbt, und es lag ein metallischer Geruch in der Luft, der an den Hinterhof der Metzgerei im Dorf erinnerte.

»Mein … Gott!«, entfuhr es ihr heiser.

Charlie folgte Vanessas Blick: Auf der Mauerkrone über den beiden Cousins hockten drei unglaubliche Kreaturen.

Zwei von ihnen waren außergewöhnlich große Hunde, gänzlich mit zottigemblau-schwarzem Fell bedeckt. Sie hätten Vanessa gewiss um einen Kopf überragt. Aus ihren weit geöffneten Schnauzen rollte bedrohliches Knurren. Gelb leuchtende Augen starrten Vanessa und Charlie durchdringend an, ließen ihnen das Blut in den Adern gefrieren und sie keinen weiteren Schritt wagen.

Die andere Gestalt war halbwegs menschlich, und als Vanessa und Charlie lange genug hingesehen hatten, erkannten sie, dass sie nicht hockte, sondern stand. Das Wesen schien nicht nur einen gedrungenen Körperbau zu haben, es war auch von stark gekrümmtem Wuchs. Vielleicht hatte es einen Buckel. Gehüllt war es in komplett zerfledderte Lumpen, und es stützte sich auf einen Stab. Nur wenige Augenaufschläge benötigte Vanessa um zu erkennen, dass es keiner war.

Es war der Stiel einer riesigen Axt. Es war die Axt, die kurz zuvor Benni und Mario erschlagen hatte.

Die Kreatur richtete sich ein wenig auf, und das Knurren der Hunde verstummte. Eine entsetzliche Ruhe machte sich auf dem Platz neben dem Wohnturm breit. Dann hob das Wesen zu einem seltsamen Gesang an, in einer fremd klingenden Sprache, die sie nicht verstanden.

Die Stimme war eindeutig männlich, dabei sehr hoch und glockenklar. Als sie geendet hatte, sah die Kreatur Vanessa und Charlie nacheinander für ganz kurze Zeit an. Eine Härte lag in diesem Blick, die den beiden durch Mark und Knochen drang, keine Boshaftigkeit, vielmehr eine eisige Abgeklärtheit, hinter der noch ein anderes Gefühl waberte, das sie nicht definieren konnten. Vanessa schauderte.

Ohne ein weiteres Wort wandte sich die Kreatur plötzlich von den Jugendlichen ab und sprang von der Mauer hinab in die Tiefe. Mit einem letzten Knurren folgten ihr die beiden Hunde auf dem Fuße.

Wie gelähmt standen Vanessa und Charlie im Licht des untergehenden Mondes und starrten auf die Stelle, wo vor wenigen Sekunden noch dieses unglaubliche Ensemble seinen bizarren Auftritt gehabt hatte. Charlies Knie zitterten. Er hatte hart um die Kontrolle seiner Blase und auch seines Magens kämpfen müssen. Zuerst der Anblick seiner dahingemetzelten Freunde, und nun diese Ausgeburten der Hölle. Anfangs war er noch versucht gewesen, es dem Stoff zuzuschreiben, doch Mario und Benni lagen wirklich tot vor ihnen. Und offensichtlich hatte Vanessa dasselbe gesehen.

Quälend langsam löste sie sich aus ihrer Starre. Als sie einen Schritt nach vorn machte, erwachte auch Charlie wieder aus seiner Regungslosigkeit.

»Vanessa, was hast du vor?«, fragte er fassungslos und ließ sie dadurch kurz innehalten.

»Was meinst du denn?«, gab sie tonlos zurück. »Wir sollten wenigs­tens nachsehen, ob wir noch etwas für sie tun können.«

Charlie ließ Vanessa gewähren, nahm all seinen Mut zusammen und folgte ihr. Als sie sich zu Benni hinabbeugte, blieb er jedoch stehen. Schon der Geruch von Blut verursachte ihm Übelkeit.

Benni lehnte halb sitzend mit dem Rücken an der Mauer. Auf Höhe seines Kopfes war auf den Steinen ein tellergroßer, im schwachen Mondlicht schwarz aussehender Blutfleck zu sehen, der nach unten verschmiert und verlaufen war. Vermutlich hatte die Axt sein Rückgrat zertrümmert. Bennis Kinn ruhte auf seiner Brust, die sich nicht mehr regte. Mehr wollte Vanessa nicht wissen und wandte sich Mario zu.

Indes wagte Charlie einen Blick über die breite Mauer, indem er sich ächzend auf deren Kante hochstemmte. Er wusste, dass es dahinter fast fünfzehn Meter in die Tiefe ging. Der Graben dort unten lag im Schatten der Burg und der umgebenden Bäume. Von der Kreatur mit der Axt und seinen vierbeinigen Begleitern fehlte jede Spur. Ein Stöhnen hinter ihm ließ ihn zusammenfahren.

Vanessa kniete neben Mario, dessen Brustkorb sich in langen, schweren Zügen hob und senkte. Quer über seine Brust klaffte eine hässliche Wunde, aus der es unaufhörlich blutete. Mario gab unverständliche Laute von sich, versuchte zu sprechen.

»Was sagt er?« Charlie hatte sich von der Mauer heruntergelassen und kniete neben Vanessa. All sein Ekel war mit einem Mal überwunden.

»Schh!«, machte sie bloß hektisch gestikulierend.

Mario hustete, ein klebriger Blutfaden lief ihm aus dem Mundwinkel. Er sammelte noch einmal alle Kraft.

»Sagt … Eltern …«, brachte er mühsam hervor, musste dann aber abbrechen. Ein Keuchen folgte.

»Was?«, fragte Vanessa, der Hysterie nahe. Vor ihr starb einer ihrer Freunde, vielleicht der, mit dem sie ein paar schöne Jahre hätte verbringen können. Sie fasste seine Hand.

»Er … ist es«, fuhr Mario schließlich quälend langsam fort, »… ist wieder da. Geschichten … sind …« Er holte tief und gurgelnd Luft.

Vanessa und Charlie hielten den Atem an.

Marios Brustkorb senkte sich ein letztes Mal und stieß hauchend ein einziges Wort aus: »Wahr.«


2

Freitag, 7. Januar 1994, 18:47

Er hasste dieses Wetter. Tiefster Winter hielt diesen Landstrich schon seit Weihnachten im Griff, und wieder einsetzender Schneefall deutete nicht gerade auf eine Besserung der Wetterlage hin. Rechts und links der Straße, die früher nur von DDR-Grenztruppen befahren wurde und in entsprechend schlechtem Zustand war, türmten sich bis zu einem Meter hohe Wälle aus Schnee. Schmutzige graue Klumpen wurden von Neuschnee zugedeckt.

Mehr als zehn Stundenkilometer wollte Eric seinem Jetta wegen der Witterungsverhältnisse nicht zumuten. Der Schnee war auf dem Kopfsteinpflaster von den Räumdiensten, die bei diesen Wetterkapriolen ihre Aufgabe ohnehin kaum bewältigen konnten, nur dürftig beiseite geschafft und der Rest von den Fahrzeugen einfach plattgewalzt worden. Mit dem Neuschnee ergab das die reinste Rutschbahn.

Aber auch der technische Zustand seines Autos ließ keine hohe Geschwindigkeit mehr zu: Der Volkswagen hatte inzwischen mit derersten Maschine 176.000 Kilometer auf dem rostigen Buckel. Beim letzten Werkstattbesuch hatte der Mechaniker etwas von »Mysterium« gemurmelt und sich als Komiker versucht, indem er Eric den Rat mit auf den Weg gegeben hatte, das Auto nicht mehr zu waschen, da nur noch Rost und Dreck es zusammenhielten.

Eric hatte den inzwischen fünfzehn Jahre alten Volkswagen von seinem Opa bekommen, als dieser sich ein Jahr zuvor einen Passat geleis­tet hatte. Als Student war Eric jedes Auto recht gewesen. Viele seiner ostdeutschen Kommilitonen hatten sich zunächst mit Übereifer auf große westdeutsche Autos gestürzt. Allerdings hatten sie sich zum Teil keine Vorstellung von den laufenden Kosten für ihre Traumkarosse gemacht und diese doch wieder abstoßen müssen. Das süffisante Lächeln, das sie Erics Schüssel so manches Mal gezollt hatten, war schon bald Geschichte gewesen.

Eric ließ seinem Auto nur ein Minimum an Pflege zukommen. Der Wagen dankte es ihm vollkommen unerwartet mit zum Teil beunruhigenden Geräuschen und glänzte an kalten Wintermorgen bisweilen mit renitenter Dienstverweigerung. Der Glanz des roten Lacks hingegen war längst hinüber. Trotz alledem mochte Eric seinen Wagen wie ein treues Haustier, da er ihn bisher stets heil von der Uni in Jena zu Ellen gebracht hatte.

Allerdings nicht bei solchem Wetter. Aber Ellens Mutter hatte an diesem Freitag Geburtstag, und Eric hatte versprochen, dieses Mal unbedingt dabei zu sein. Er hatte schon die Geburtstagsfeier des Vaters im vergangenen Herbst absagen müssen. Damals hatte ihm sein Germanistikprofessor ein Projekt aufgebrummt, das in der kurzen Zeit, die er den Studenten gegeben hatte, nur mit extrem wenig Schlaf, Hektolitern starken Kaffees und hochkonzentrierter Arbeit zu bewältigen gewesen war. Sonst knieten sich Eric und seine Mitstreiter nicht so rein, aber dieses Projekt war wichtig für die Zulassung zum Diplom gewesen, auf das er sich nun vorbereitete.

Ellen wohnte in Oberellen, einem Dorf in Westthüringen, das in den Nachkriegsjahren im Zonenrandgebiet gelegen hatte. Zu DDR-Zeiten war es wie viele andere grenznahe Ortschaften auf keiner sozialistischen Karte verzeichnet gewesen. Die zufällige Namensverwandtschaft seiner Freundin mit dieser Achthundertseelen-Gemeinde hatte schon manchen derben Scherz bei seinen Freunden provoziert, alle von ähnlicher Machart: »Gib doch zu, du fährst gar nicht nach Ober­ellen, du willst nach Unter-Ellen!«Haha, wie komisch, meine Lieben!

Er hatte Ellen 1992 auf dem Weihnachtsmarkt in Eisenach kennengelernt, wohin sie mit den Kindern des Oberellener Kindergartens einen Busausflug gemacht hatte. Die kleine Natalie hatte sich in dem Trubel verlaufen und neben einer Lebkuchenbude verzweifelt nach Ellen gerufen, während die Erwachsenen sich an ihr vorbeidrängten. Eric nahm sich Natalies an, fragte sie, wo sie denn hingehöre, und gemeinsam fanden sie Ellen schließlich. Der Kindergärtnerin fiel ein riesiger Stein vom Herzen, als sie die freudestrahlende Natalie an der Hand des Studenten sah. Sie bedankte sich überschwänglich mit einem Kuss auf Erics Wange, und damit hatte das angenehme Schicksal auf beiden Seiten seinen Lauf genommen.

Schon am Vortag hatten die Wetterfrösche dieses Wetter angesagt, und ihm schoss einmal mehr durch den Kopf, dass diese Gegend zu Recht »Hessisch Sibirien« genannt wurde, auch wenn er gerade auf der thüringischen Seite der Landesgrenze herfuhr. Natürlich machte das Klima sich nichts aus menschengemachten Gemarkungsgrenzen: Winter war hüben wie drüben.

Wegen der Wetterprognosen hatte sich Eric so früh wie möglich aus dem Studentenwohnheim verkrümelt und auf den Weg gemacht. Die Kaltfront war früher als erwartet mit heftigem Schneefall hereingebrochen, so dass er sich kaum auf der A4 Richtung Westen eingefädelt hatte, als er auch schon in einer sehr langsam dahinkriechenden Kolonne von Lkw und Wochenendpendlern gesteckt hatte.

Drei Stunden hatte er für die sechzig Kilometer bis zur Ausfahrt Herleshausen gebraucht. Das Wetter war wider Erwarten noch schlechter geworden. Wenn es ein wenig aufklarte und er einen Blick auf die nahe Autobahn werfen konnte, die auf der nördlichen Seite des Werratales auf hessischem Gebiet verlief, so klebte dort ein Scheinwerfer am anderen, aufgereiht wie an einer weihnachtlichen Lichterkette. Eric war froh, bald am Ziel zu sein. Nur noch zehn Kilometer über Land.

Wieder einmal gab sein Jetta mürrisch ein Rattern von sich, als Eric in die Düsternis unterhalb des sogenannten Göringer Steins eintauchte, einem wuchtigen, vor allem von Buchen bewachsenen Berg. Eric hatte gerade das Dorf Göringen mit seinen wenigen, dicht aneinander gedrängten Häusern verlassen. Rechts, hinter schneebedeckten Weiden und Pappeln verborgen, lag etwas tiefer die Werra ruhig in ihrem Bett. Eric musste nun noch langsamer fahren, da die Straße hier einige unerwartete Biegungen machte. Außerdem setzte der Schneefall wieder ein.

Plötzlich wurde das Rattern noch etwas lauter. Zeitgleich blieb der rechte Scheibenwischer auf halbem Wege nach unten stehen. Sein Kollege auf der Fahrerseite mühte sich nun allein ab. Soso, dachte Eric enttäuscht, jetzt lässt du mich so kurz vor dem Ziel im Stich. Die Sicht ging gegen Null, er wagte es nicht, mehr als Schritttempo zu fahren.

Ohne eine solche, durchaus freundlich zu nennende Vorwarnung versagte nach weiteren dreihundert Metern abrupt der Motor. Mit ein paar asthmatischen Hustern stellte er den Dienst ein. Eric konnte gerade noch rechtzeitig auf die Kupplung treten und ließ den Jetta möglichst dicht an den Schneewall auf der rechten Seite rollen.

»Neeee …«, entfuhr es ihm enttäuscht, seine Stirn sank auf das Lenkrad. »Nicht jetzt, bitte!« Er gab die Hoffnung nicht auf und drehte am Zündschlüssel, was beim Anlasser nur ein unwilliges Kurbeln auslöste, das rasch langsamer wurde und schon bald ganz erstarb.

Die Scheinwerfer seines Wagens blickten müde in den weißen Vorhang herabrieselnder Schneeflocken, die schon eine bedenkliche Größe annahmen. Die Reifenspuren der wenigen Autos, die vor Kurzem hier entlanggekommen waren, wurden ziemlich schnell zugedeckt, genauso wie seine Windschutzscheibe. Nur durch die Seitenfenster sah Eric noch die Reflexion des gelben Lichts der Warnblinkanlage.

Es half nichts. Er würde sich zu Fuß zum nächsten Ort, nach Lauchröden, durchschlagen und sein untreues Gefährt zurücklassen müssen. Zwar war Göringen sicher näher, aber entgegen seinerFahrtrichtung. Wenn er sich heute Abend noch irgendwo abholenlassen musste, dann sollte die Anfahrt so kurz wie möglich sein.Vielleicht hatte er ja auch Glück, und es war noch jemand auf die­ser Strecke unterwegs, so dass er sein Ziel als Anhalter erreichen konnte.

Noch auf dem Fahrersitz schlang er seinen Schal mehrfach um den Hals, zog den Reißverschluss seiner Jacke bis zum Kragen hoch und setzte seine Wollmütze auf. Wenigstens war er auf das Wetter ein wenig vorbereitet, da auch die Heizung des Jettas bei Extremtemperaturen manchmal etwas eigenwillig war. Eric stieg aus, klappte den Sitz nach vorn und zerrte seinen Wanderrucksack heraus, bevor er die Tür verschloss. Sollte die Warnblinkanlage doch die letzten Reste Strom aus der Batterie saugen, mochte sein, dass es jemanden davor bewahrte, in den Wagen zu rutschen. Eric verzichtete darauf, ein Warndreieck aufzustellen, denn es wäre innerhalb kürzester Zeit im Schnee versunken. Dann machte er sich auf den Weg.

Trotz der dichten Wolkendecke, die nun alles von sich gab, was sie mit sich trug, war es wegen des Schnees nicht gänzlich dunkel. Die Gegend war zwar nicht stark besiedelt, doch das wenige Streulicht der Ortschaften sowie nicht zuletzt das der ehemaligen Grenzkontrollstelle östlich von Herleshausen tauchten die Welt in ein merkwürdiges gelbes Zwielicht.

Abgesehen von den Bedauernswerten im Stau auf der Autobahn hatten offensichtlich alle beschlossen, den Abend hinter sicheren Mauern und vor wärmenden Öfen zu verbringen, denn kein einziges Auto begegnete dem Studenten während der ersten zehn Minuten. Der Wind wurde stärker und brachte noch kältere Nordluft. Nun waren die Schneeflocken zwar kleiner, doch angenehmer wurde der Aufenthalt im Freien eben nicht. Eric zog die Mütze tiefer ins Gesicht und wickelte seinen Schal zweimal um Kinn und Nase.

Nur das Knirschen des Schnees unter seinen Wanderschuhen und derpeitschende Wind waren zu vernehmen. Wenn der einmal für kurze Zeit aussetzte und Eric stehen blieb um zu verschnaufen, herrschte eine absolute, friedliche Stille.

Doch er gönnte sich kaum eine Pause. Trotz der ihn umgebenden winterlichen Schönheit war es keine Zeit, draußen zu sein. Außerdem erwartete man ihn.

Eric hatte den Fuß des Göringer Steins noch nicht passiert, als er hinter sich das tiefe Brummen eines Motors hörte. Er drehte sich um und sah schon bald die Reflexion von Scheinwerfern auf den Schneewällen der hinter ihm liegenden Biegung. Dann kam das Fahrzeug langsam um die Kurve und schien sogar trotz der geringen Geschwindigkeit ein wenig ins Trudeln zu geraten, doch der Fahrer fing den Wagen durch Gegenlenken wieder ab.

Erst durch die näher kommenden Scheinwerfer erkannte Eric, wie stark es eigentlich schneite. Er hoffte bloß, der Fahrer des Wagens würde ihn rechtzeitig erkennen und nicht über den Haufen fahren. Und ihn vielleicht sogar bis Oberellen mitnehmen können. Er hob den rechten Arm und reckte den Daumen in die Höhe.

Offensichtlich hatte der Fahrer ihn gesehen, denn er wechselte plötzlich auf die linke Straßenseite und gab mehr Gas, als es dem Wetter angemessen war. Ohne Eric weiter zu beachten, brauste der Kombi an dem Studenten vorbei und verschwand in westlicher Richtung. Das Kennzeichen war verdreckt, sonst hätte Eric es sich gemerkt, und auch den oder die Insassen konnte er nicht erkennen.

»Vollidiot!«, brüllte er dem unbekannten Fahrer ungehalten hinterher. »Welcher Massenmörder treibt sich schon bei dem Scheißwetter auf dieser gottverlassenen Straße rum?« Wütend trat er gegen einen Schneeklumpen, der staubendzerplatzte.

Trotzig setzte Eric seinen Weg fort und sah die Rücklichter des Wagens schlingernd hinter der nächsten Kurve verschwinden. »Wahrscheinlich hat er bloß Schiss um seine Ledersitze gehabt, dieser Spießer!«, grummelte er.

Zu seiner Linken lag nun die Talmulde zwischen dem Göringer Stein und dem Felsmassiv des Brandenberges, auf dem unsichtbar hinter dem Schneeschleier die Ruine Brandenburg thronte. Ansonsten änderte sich die Szenerie kaum, und allmählich begann das allgegenwärtige Weiß Eric gegen den Strich zu gehen.

Er blieb stehen und horchte. War er bereits so erschöpft, dass er Geräusche hörte, oder war das Klingeln, das er gerade vernommen hatte, real?

Wahrscheinlich machte sich die lange Autofahrt nun doch bemerkbar und auch die Kälte. Wie gern hätte er nun in Oberellen bei Ellens Eltern vor dem wärmenden Berliner Ofen gesessen, wäre bereits bei der zweiten Tasse Glühwein angelangt! Er hoffte inständig, man würde ihm seine Verspätung nicht übel nehmen. Natürlich war es höhere Gewalt, doch er kannte die Familie noch nicht so gut, auch wenn er schon seit über einem Jahr mit Ellen zusammen war.

Vermutlich machte er sich zu viele Gedanken, so wie er es immer tat, wenn es um das Thema Familie ging. Markus fiel ihm ein, sein nicht nur altersmäßig kleinerer Bruder. Natürlich konnte er ihm seine Erkrankung nicht vorwerfen, aber sie war doch eine Last und für alle unerwartet gekommen. Trotz der Vorsorgeuntersuchungen war die Trisomie 21 bei ihm erst im achten Monat entdeckt worden, und Erics Eltern waren aus allen Wolken gefallen. Eric war erst sieben gewesen, hatte sich bis zu diesem Novemberabend auf das Geschwisterchen gefreut, da seine Eltern sich bemüht hatten, dass er es nicht als Konkurrenz ansehen musste. Dann war der kleine verhutzelte Gnom plötzlich da, brachte fast alle lebensbedrohlichen Symptome des Down-Syndroms mit und stellte das Leben der jungen Hersfelder Familie völlig auf den Kopf.

Vieles war anders geworden in den einundzwanzig vergangenen Jahren, Erics sorgenfreie Kindheit wie ausgelöscht. Die gesamte Energie seiner Eltern kam Markus zugute, der nach zahllosen Operationen, Sprachtherapien und zu allem Überfluss auch noch einer leukämiebedingten Chemotherapie mit sechs Jahren endlich überlebensfähig war.

Eric hatte immer zurückgestanden, auf Spielzeug verzichtet, das seine Freunde von ihren Eltern geschenkt bekamen. Undimmer wieder saß erauf dem Teppich im Kinderzimmer seines behinderten Bruders, den er auf seine Weise mochte, weil er immer lächelte, der Weltetwas Gutes abgewann, und war es auch nur, weil er sie noch nichtbegriff. Er spielte mit ihm, versuchte, im Wirrwarr seiner eigenenPubertät zu begreifen, was das Leben denn mit ihm selbst geplant hatte, indes sich seine Eltern in der Küche im Erdgeschoss in vollkommener Überforderung nur noch gegenseitig anschrien, statt sich Halt zu geben. Er zog die Leiter des großen Plastikfeuerwehrautos aus, mit dem er schon als Dreijähriger gespielt hatte, und Markus freute sich mit breitem Grinsen und diesem seligen Blick aus den wulstigen Schlitzaugen, jauchzte wie er damals mit drei, als Eric das kleine Glöckchen am Fahrerhaus klingeln ließ …

Da war es wieder, nun anhaltender. Eric hatte sich gerade wieder in Bewegung setzen wollen, als er das Klingeln erneut hörte. Nein, es war keine Einbildung gewesen. Es kam aus westlicher Richtung auf ihn zu. Schon bald gesellte sich das Getrappel von Hufen auf festgefahrenem Schnee dazu. Ein Pferdeschlitten, dachte Eric bei sich. Eine gute Idee. In ein paar Stunden würde das wohl die einzige Möglichkeit sein, überhaupt noch von einem Ort zum anderen zu kommen. Er blieb stehen, um das Gefährt passieren zu lassen und nicht durch scheuende Pferde niedergetrampelt zu werden.

Ein Pferdeschlitten war merkwürdig genug, auch für diese ländliche Gegend. Doch dieses Gespann hatte Eric nicht erwartet.

Zunächst tauchten aus dem Schneetreiben vier schwarze Pferde auf, auf deren dampfenden Rücken der Schnee schmolz und seitlich hinablief. Das einzige Geräusch, das sie von sich gaben, stammte von den Schellen an ihren Geschirren, schnauben oder gar wiehern konnten sie nicht, denn – sie hatten keine Köpfe. An ihrer Stelle klaffte ein ausgefranster, hässlich anzusehender Stumpf, ein Rest des Halses. In der zerfledderten Flanke eines Pferdes glaubte Eric einige Rippenknochen zu erkennen.

Sein Herz setzte für eine Sekunde aus. Er taumelte zurück und fiel der Länge nach in den aufgetürmten Schnee neben der Straße. Doch der Schrecken wollte noch kein Ende nehmen.

Die untoten Pferde zogen eine offene schwarze Kutsche auf Kufen. Zu beiden Seiten des führerlosen Kutschbocks steckten auf Stangen zwei in dunklem Gelb lodernde Laternen, die durch Reflektoren ihr Licht vor allem nach vorn abgaben. Neben dem Kutschbock lehnte eine Hellebarde, deren Spitze kurz aufleuchtete. Das Innere des Pferde­schlittens blieb im Dunkeln. Nur die Konturen einer Gestalt zeichneten sich vor dem matten Hintergrund des Schnees ab. Sie saß zusammengesunken auf der hinteren der beiden Bänke mit dem Blick in Fahrtrichtung und war gegen die Kälte in mehrere Lagen Kleidung gehüllt.

Als das Gespann fast an Eric vorüber war, wandte ihm der Passagier langsam den Kopf zu. Nicht, dass Eric diese Bewegung wirklich gesehen hätte, geschweige denn irgendwelche Gesichtszüge, vielmehr spürte er, dass ihn die Augen dieses Menschen durchdringend ansahen, ihn durchbohrten wie kalte, bläulich schimmernde Eiszapfen.

In diesem Augenblick schien die Zeit stehen zu bleiben. Der Wind verstummte auf einen Schlag, und auch der Schneefall verebbte zu einem kaum wahrnehmbaren Rieseln. DiemartialischenGeräusche, die das Gefährt verursachte, drangen nur noch gedämpft zu Eric.

Nur wenige Sekunden ruhte der Blick des Mannes auf Eric, und doch drückte er unendlich viel aus. Vor allem eine Mahnung schien darin zu liegen. Eric spürte, dass diese Gestalt ihm nichts antun würde, ihn aber mahnte, keine Fragen zu stellen und am besten mit niemandem über das Geschehene zu sprechen. Und über all dem vermittelte der Blick das Gefühl lange angestauten Hasses, nicht gegen Eric, als vielmehr gegen die Welt im Allgemeinen. Letzten Endes umgab den Menschen dort im Schlitten eine so profunde Traurigkeit, dass Eric sie wie eine Faust im Magen spürte.

Das Gefährt glitt vorüber, und wie auf Kommando setzten Schneefall und Wind wieder ein. Verstört und sprachlos blickte Eric dem Gespann hinterher, das rasch in östlicher Richtung verschwand und durch den weißen Vorhang immer undeutlicher zu sehen war.

Bevor es vollkommen von der bleichen Schneewand verschlungen wurde, schwenkte es nach rechts aus und durchbrach den Schneewall auf der südlichen Straßenseite. Weiße Wolken stoben auf, hüllten das Gespann kurz ein, bevor die Pferde den Schlitten offenbar mühelos mit unverminderter Geschwindigkeit den Hang zum Brandenberg hinaufzogen. Erst dort, zwischen dicht stehenden Bäumen, auf deren Ästen schwer der Schnee lastete, entzog sich die Erscheinung endgültig Erics Blicken.

Erics Herz raste, sein Verstand hingegen setzte aus und weigerte sich, das Gesehene zu verarbeiten.

Bis die zwei schwarzen, ein wenig blau schimmernden Hunde vorbeihetzten. Sie waren etwas schneller als der Schlitten und schienen ihn wohl einholen zu wollen. Unmöglich zu sagen, ob sie das Gespann verfolgten oder sein Geleit darstellten.

Sehr viele Details konnte Eric wegen ihrer Geschwindigkeit und auch der Dunkelheit nicht ausmachen. Immerhin erkannte er, dass sie für Hunde außergewöhnlich groß waren, aber Eric fiel kein vergleichbares Wesen ein. Der letzte der beiden sah Eric im Vorbeirennen kurz an, ohne seine Geschwindigkeit zu vermindern, und stieß dabei eindrohendes Knurren aus. Zwei wütende Augen starrten zu ihm hin­über und wandten sich dann wieder in Laufrichtung.

Das Hecheln der Hunde und das Geräusch ihrer Pfoten im Schnee verstummten schnell. Auch sie verließen in der ersten Kurve die Straße und folgten dem Schlitten den Hang hinauf in den Wald.

Mühsam richtete sich Eric auf, den Blick noch immer in die Richtung gelenkt, in der die Vision verschwunden war. Nur widerwillig leisteten ihm seine Knie wieder ihren Dienst, und ein riesiger Klumpen schien ihm im Magen zu liegen. Sein Gaumen war vollkommen ausgetrocknet, als hätte er unablässig geschrien. Und vielleicht hatte er das.

Mitdemunguten Gefühl einer Bedrohung im Rücken machte sich Eric wieder auf den Weg Richtung Lauchröden, wobei er sich mehrmals gehetzt umsah. Der Schneefall setzte erneut und noch stärker als zuvor ein, und der Nordwind peitschte ihm die Flocken um die Ohren. Nicht nur die Anstrengung und das Wetter machten ihm zuschaffen, natürlich auch das Erlebte, das alles andere belangloserscheinen ließ.